Dimensonen der Medienkritik

 

Dimensionen der Medienkritik in unterschiedlichen Ansätzen

Baacke 1996

Tulodziecki 1997

Aufenanger 1997

Moser 2000

 

Medienkritik

Aufgabenbereiche der Medienpädagogik in Bezug auf Kritik

Dimensionen, die sich auf Kritik beziehen

Reflexive Kompetenzen

 

Analytisch
Gründe, Zusammenhänge und Motive für bestimmte Vorgänge im Medienbereich 

Verstehen und Bewerten von Mediengestaltungen

Kognitive Dimension (Wissen, Verstehen, Analysieren)

Vergewisserung der gesellschaftlichen Funktion der Medien und Medienkritik

Reflexiv
Reflexion der eigenen Gründe und Motive in Bezug auf die Mediennutzung

Erkennen und Aufarbeiten von Medieneinflüssen

 

Moralische Dimensionen (Ethische Aspekte)

Kritische Beurteilung einzelner Medien und der Medienentwicklung

Ethisch
Werturteile über Medien(-inhalte) fällen können, indem soziale Konsequenzen der Medienentwicklung berücksichtige werden

Durchschauen und Beurteilen von Bedingungen der Medienproduktion und Medienverbreitung

 

Soziale Dimension (Vertretung der eigenen politischen Rechte und Thematisierung der Auswirkungen von Medien)

 

Fähigkeit, das eigene Mediennutzungsverhalten einschätzen zu können

     

Verfügung über Kriterien, um Medieninformationen auf ihre Stichhaltigkeit und Relevanz hin beurteilen zu können

Sonja Gangiun: Medienkritik – Kernkompetenz unserer Mediengesellschaft, in: Medienpädagogik 6/2004, S. 2http://www.ph-ludwigsburg.de/fileadmin/subsites/1b-mpxx-t-01/user_files/Online-Magazin/Ausgabe6/Ganguin6.pdf

 

„'Kritein' bedeutet ursprünglich „unterscheiden“ und zielt darauf, vorhandenes Wissen und Erfahrungen immer wieder reflektierend einzuholen, und dies in dreifacher Weise: Zum einen (a) hat Medienkritik eine analytische Unterdimension. Problematische gesellschaftliche Prozesse, etwa Konzentrationsbewegungen, sollten angemessen erfasst werden können. Ebenso sollte „analytisch“ das Wissen vorhanden sein, dass sich private Programme weitgehend durch Werbung finanzieren und dies ohne Zweifel Konsequenzen für Programminhalte und Programmstrukturen hat. „Analytisch“ bedeutet also, ein Hintergrundwissen zu besitzen, das Medienentwicklungen nicht kritiklos hinnimmt, sondern „unterscheidend“ anwendet, um die eigene Medienkompetenz angemessen einsetzen zu können.

Die (b) reflexive Unterdimension zum anderen zielt auf den Gedanken, dass jeder Mensch sein analytisches und sonstiges Wissen auf sich selbst und sein persönliches Handeln beziehen und anwenden können muss. Wir neigen gerade im Medienbereich schnell dazu, über „die anderen“ zu reden und uns selbst außen vor zu lassen. Schon vor vielen Jahren beispielsweise verdeutlichten Untersuchungen, dass BILD-Zeitungleser – weil das Lesen der BILD-Zeitung keinen guten Ruf hatte – angaben, es „nur zum Spaß“ oder nur „nebenbei“ zu betreiben. Anderes Beispiel: In Seminaren über Serien in Vorabendprogrammen mussten die Dozenten erfahren, dass Studierende hier eine äußerst kritische Distanz an den Seminartag legten, obwohl sie die Sendungen privat und außerhalb ihres Studierauftrages mit Genuss und Interesse sahen.

Analytische und reflexive Fähigkeit umfassen schließlich als dritte Unterdimension (c) ethisches Betroffensein, das analytisches Denken und reflexiven Rückbezug als sozialverantwortet abstimmt und definiert." (1)

 

Die analytische Dimension beinhaltet immer zugleich auch eine gesellschaftspolitische Auseinandersetzung mit der Funktion und Bedeutung der Medien. Damit einher geht auch die Ausbildung einer eher kulturpessimistische oder -optimistischen Haltung gegenüber der Medienentwicklung. Insofern findet hier ein jeweils historisch eingebundener gesellschaftlicher Diskurs der Medienkritik und Kritik der Medienkritik statt.

Die (selbst)kritische Reflexion des eigenen Medienhandelns ist ein Thema für das "klassische" pädagogische Feld der Medienerziehung.

 

Medienkritik in all ihrer Komplexität ist ein bedeutsames Element für die Ausbildung eines Medialitätsbewusstseins.


(1) D. Baacke: Was ist Medienkompetenz?, 1999

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